Was passiert mit Krypto, wenn jemand stirbt?

Bitcoin und andere Kryptowährungen sind digitale Vermögenswerte – und als solche vererblich. Stirbt jemand, der Krypto besitzt, geht der Besitz auf die Erben über. Ohne den Zugang zur Wallet und den Wallet-Sicherheit-Phrasen ist das aber praktisch unmöglich.

Anders als bei einem Bankkonto gibt es bei Krypto keine zentrale Stelle, die das Erbe verwaltet. Niemand kann dir sagen „dieser Account gehört Hans Müller, er ist verstorben". Krypto existiert nur auf der Blockchain – und der Zugang requires den privaten Schlüssel.

Wichtig: Wenn deine Familie nach deinem Tod keinen Zugang zu deinen Wallets hat, ist die Krypto für immer verloren. Das gilt als Erbe, das nicht beansprucht werden kann – und niemand kann daran etwas ändern.

Rechtliche Grundlagen in Deutschland

Kryptowährungen werden in Deutschland wie andere Vermögenswerte behandelt. Sie unterliegen:

  • Erbschaftssteuer: Krypto zählt zum Nachlass und muss bei der Erbschaftssteuer berücksichtigt werden
  • Freigrenzen und Freibeträge: Je nach Verwandtschaftsgrad gibt es Freibeträge (z.B. 500.000 Euro für Ehepartner, 400.000 Euro für Kinder)
  • Bewertung: Der Wert der Krypto wird zum Zeitpunkt des Todes festgelegt

Es gibt kein spezielles Gesetz für Krypto-Nachlässe – die allgemeinen Erbschaftsregeln gelten. Das bedeutet aber auch: Krypto-Erben müssen dem Finanzamt den Nachlass melden, wenn die Freibeträge überschritten werden.

Wallet-Übergabe planen: Seed, Zugangsdaten, Sicherheit

Der wichtigste Schritt: Wie soll deine Familie nach deinem Tod an die Krypto kommen? Dafür gibt es mehrere Möglichkeiten:

1. Seed-Phrasen sicher verwahren

Bei den meisten Wallets (Hardware-Wallet, Software-Wallet) gibt es eine 12- oder 24-Wort-Seed-Phrase. Diese ist der Hauptschlüssel zu deiner Krypto. Ohne sie gibt es keinen Zugang.

Optionen für die Verwahrung:

  • Banktresor: Seed auf Papier geschrieben in einem Safe – sicher vor Einbruch, aber umständlich
  • Notarter: Hinterlegung beim Notar mit Testament-Hinterlegung möglich
  • Sichere Kopie zu Hause: Mehrere Kopien an verschiedenen sicheren Orten

2. Zugangsdaten für Exchanges

Falls du Krypto auf einer Exchange (z.B. Kraken, Coinbase) hast, braucht deine Familie auch die Login-Daten. Diese sollten ebenfalls dokumentiert und sicher verwahrt werden.

Sicherheitshinweis: Wer Seed-Phrasen oder Zugangsdaten unverschlüsselt per E-Mail verschickt, riskiert Diebstahl. Nutze sichere Methoden – etwa einen verschlüsselten USB-Stick im Banktresor oder einen digitalen Passwort-Tresor mit master password.

Testament vs. Testament mit Krypto-Klausel

Ein normales Testament reicht für Krypto nicht aus – es sei denn, du dokumentierst die Zugangsdaten separat. Besser ist eine spezifische Krypto-Klausel im Testament:

  • Was gehört zum Nachlass? Liste alle Wallets, Exchanges und geschätzten Bestände
  • Wo sind die Seeds? Genaue Beschreibung, wo die Seed-Phrasen zu finden sind
  • Zugang zur Software Falls du einen Hardware-Wallet nutzt: Wo ist der Wallet und wie lautet die PIN?
  • Wer soll erben? Klare Benennung der Erben für Krypto-Vermögen

Ein Anwalt kann helfen, ein Testament mit Krypto-Klausel rechtssicher zu formulieren. Das kostet wenig, schafft aber viel Klarheit.

Erbschaftssteuer bei Bitcoin und Krypto

Krypto unterliegt der Erbschaftssteuer – aber die Freibeträge sind hoch genug, dass die meisten Fälle steuerfrei bleiben:

  • Ehepartner / eingetragene Lebenspartner: 500.000 Euro Freibetrag
  • Kinder, Stiefkinder: 400.000 Euro Freibetrag
  • Enkel: 200.000 Euro Freibetrag
  • Eltern, Großeltern: 100.000 Euro Freibetrag
  • Andere: 20.000 Euro Freibetrag

Erbschaftssteuer fällt erst an, wenn der Freibetrag überschritten wird. Bei den meisten Familien bleibt die Krypto-Erbschaft steuerfrei.

Wichtig: Erben müssen die Krypto innerhalb von 6 Wochen dem Finanzamt melden, wenn Freibeträge überschritten werden.

Praktische Tipps für Familien

Was du jetzt tun kannst:

  • Inventar erstellen: Liste alle Wallets, Exchanges und geschätzten Bestände auf
  • Seed-Phrasen sicher verwahren: Banktresor oder spezialisierter Dienst
  • Testament aktualisieren: Krypto-Klausel mit konkreten Zugangshinweisen
  • Erben informieren: Nicht die Details, aber das Prinzip – „falls mir etwas passiert, gibt es eine Map im Banktresor"
  • Hardware-Wallet vererben: Falls vorhanden, zusammen mit PIN und Seed verwahren
Steuer-Tipp: Wer Krypto erbt und länger als ein Jahr nach dem Erbfall hält, profitiert von der 1-Jahres-Frist. Verkaufte Krypto sofort nach Erbschaft, wird der Gewinn ab Erbschaftszeitpunkt berechnet – nicht ab Kaufzeitpunkt des Erblassers.

Fazit: Krypto-Nachlass planen und absichern

Krypto zu vererben ist nichts anderes als anderes Vermögen – aber ohne Vorbereitung ist es wertlos für die Erben. Der wichtigste Schritt ist die Dokumentation: Seeds, Zugangsdaten, Wallet-Typen und ungefähre Werte.

Mit einem klaren Plan und einem aktuellen Testament stellst du sicher, dass deine Familie nicht vor verschlossenen Wallets steht.

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