Was sind FIFO und LIFO?

FIFO und LIFO sind Buchhaltungsmethoden, die festlegen, welche Anteile eines Bestands als zuerst verkauft gelten. Bei Krypto funktioniert das genauso:

  • FIFO (First In, First Out): Die zuerst gekauften Coins werden als zuerst verkauft betrachtet
  • LIFO (Last In, First Out): Die zuletzt gekauften Coins werden als zuerst verkauft betrachtet

Bei steigenden Kursen ergeben sich daraus unterschiedliche Gewinne – und damit unterschiedliche Steuersummen.

Wichtig für Deutschland: Das deutsche Steuerrecht kennt FIFO als Standardmethode. LIFO ist nur unter bestimmten Voraussetzungen und bei gleichbleibenden Beständen zulässig. Für Privatanleger gilt in der Praxis meist FIFO.

FIFO vs. LIFO: Der direkte Vergleich

Beispiel: Steigende Kurse

Du kaufst Bitcoin in drei Tranchen:

  • Tranche 1: 1 BTC @ 30.000 € (Januar 2025)
  • Tranche 2: 1 BTC @ 50.000 € (April 2025)
  • Tranche 3: 1 BTC @ 80.000 € (Oktober 2025)

Im Dezember 2025 verkaufst du 1 BTC für 95.000 €.

FIFO: Verkauft wird der BTC aus Tranche 1 (30.000 €). Gewinn = 65.000 €.

LIFO: Verkauft wird der BTC aus Tranche 3 (80.000 €). Gewinn = 15.000 €.

Bei einem Steuersatz von 30 %: FIFO = 19.500 € Steuern, LIFO = 4.500 € Steuern.

Ergebnis: LIFO spart in diesem Szenario 15.000 € Steuern.

Beispiel: Fallende Kurse

Du kaufst Bitcoin in drei Tranchen:

  • Tranche 1: 1 BTC @ 80.000 € (Januar 2025)
  • Tranche 2: 1 BTC @ 50.000 € (April 2025)
  • Tranche 3: 1 BTC @ 30.000 € (Oktober 2025)

Im Dezember 2025 verkaufst du 1 BTC für 25.000 €.

FIFO: Verkauft wird der BTC aus Tranche 1 (80.000 €). Verlust = 55.000 €.

LIFO: Verkauft wird der BTC aus Tranche 3 (30.000 €). Verlust = 5.000 €.

Ergebnis: FIFO ist besser, wenn die Kurse fallen – dann werden Verluste größer und können mit Gewinnen verrechnet werden.

Was gilt in Deutschland?

Das deutsche Steuerrecht (§ 23 EStG) regelt die Besteuerung von Krypto-Verkäufen für Privatanleger. Die Details:

Die 1-Jahres-Frist

Privatpersonen profitieren von der 1-Jahres-Frist: Verkaufsgewinne nach mehr als 365 Tagen Haltedauer sind steuerfrei. Das macht die FIFO/LIFO-Frage nur dann relevant, wenn innerhalb eines Jahres verkauft wird.

FIFO als Standard

In Deutschland gilt grundsätzlich FIFO als Verbrauchsfolge-Methode. Das bedeutet: Die zuerst angeschafften Anteile gelten als zuerst veräußert. Das Finanzamt akzeptiert in der Regel nur FIFO.

Wann ist LIFO möglich?

LIFO ist steuerrechtlich nur zulässig, wenn:

  • Die Bestände gleichbleibend sind (du kaufst und verkaufst regelmäßig und hältst den Bestand relativ konstant)
  • Die Anschaffungskosten regelmäßig fallen (oder gleich bleiben)
  • Du dies nachweislich und nachvollziehbar in deiner Buchführung anwendest

Für die meisten Privatanleger mit Krypto-Beständen ist LIFO steuerlich nicht durchsetzbar. Das Finanzamt würde im Fall einer Prüfung FIFO anwenden.

Praktische Tipps für deutsche Anleger

Steuer-Tipp: Nutze die 1-Jahres-Frist zu deinem Vorteil. Wenn du ohnehin vorhast, BTC langfristig zu halten, verkaufe erst nach 365 Tagen – dann spielt FIFO vs. LIFO keine Rolle mehr.

1. Nutze Teilverkäufe strategisch

Anstatt alles auf einmal zu verkaufen, kannst du Teile deines Bestands nach und nach verkaufen. So nutzt du die 1-Jahres-Frist für einzelne Tranchen und minimierst die Steuerlast.

2. Dokumentiere deine Käufe lückenlos

Für jede Transaktion brauchst du Nachweise: Kaufdatum, Kaufpreis, Börse oder Plattform. Das ist nicht nur für FIFO/LIFO wichtig, sondern generell für die Berechnung deiner Gewinne und Verluste.

3. Nutze ein Steuer-Tool

Bei vielen Trades und komplexen Portfolios wird die Berechnung schnell unübersichtlich. Tools wie CryptoTax, Blockpit oder CoinTracking berechnen automatisch FIFO-konforme Gewinne und zeigen dir, welche Trades steuerpflichtig sind.

4. Berücksichtige Verluste

Verluste aus Krypto-Verkäufen kannst du innerhalb eines Kalenderjahres mit Gewinnen aus anderen Krypto-Verkäufen verrechnen. Das gilt unabhängig von FIFO oder LIFO. Wenn du also BTC mit Verlust verkaufst und ETH mit Gewinn – die Verluste mindern die ETH-Steuerlast.

Fazit: FIFO oder LIFO – was ist besser?

In Deutschland gilt für Privatanleger FIFO als Standard. LIFO ist steuerlich nur unter engen Voraussetzungen möglich und wird vom Finanzamt in der Regel nicht akzeptiert.

Die beste Steuerstrategie ist daher nicht die Wahl der richtigen Methode, sondern:

  • Langfristiges Halten – die 1-Jahres-Frist macht FIFO/LIFO irrelevant
  • Teilverkäufe planen – verkaufe nie alles auf einmal
  • Verluste nutzen – verrechne sie mit Gewinnen im selben Jahr
  • Dokumentation – führe lückenlos Buch über alle Käufe

Wer innerhalb eines Jahres verkauft, zahlt bei steigenden Kursen Steuern auf den Gewinn. Bei fallenden Kursen kann FIFO vorteilhafter sein, weil Verluste größer ausfallen. Aber in den meisten Fällen gilt: Lange Halten schlägt jede Optimierung der Verbrauchsfolge.

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