Auf der Paris Blockchain Week trafen wir Adam Back, CEO von Blockstream und eine der Schlüsselfiguren der Bitcoin-Geschichte. Das Gespräch deckte ein breites Spektrum ab: von der Gefahr durch Quantencomputer über die Rolle von BlackRock bis hin zur Frage, ob Bitcoin eher Wertspeicher oder Währung ist.

Quantencomputer – echte Gefahr oder übertriebene Panik?

Die Befürchtung, Quantencomputer könnten Bitcoin knacken, hält sich hartnäckig. Back ordnet ein: Quantencomputing befindet sich noch im Laborstadium. Die Entwicklung verläuft linear, nicht exponentiell wie bei Siliziumchips. Ein durchbrechendes, skalierbares System ist nach Einschätzung von Experten noch Jahrzehnte entfernt.

Das bedeutet nicht, dass Bitcoin untätig bleiben sollte. Die Lösung liegt im Upgrade-Mechanismus: Post-Quanten-Signaturverfahren, die vom NIST bereits standardisiert wurden, bieten einen Weg, das Netzwerk Quantum-Resistent zu machen. Blockstream arbeitet mit „Scorches" an einer optimierten 324-Byte-Signatur speziell für Bitcoin. Praktisch: Über Taproot können sich Nutzer bereits heute „Quantum-ready" machen, ohne die aktuellen Kosten für große Signaturen tragen zu müssen.

BlackRock und institutionelle Anleger

BlackRock hat Investoren auf Quantencomputing-Risiken hingewiesen – ein Grund zur Sorge? Back sieht das pragmatisch: BlackRock verdient an höheren Bitcoin-Kursen, nicht an niedrigen. Risiko-Disclosure in Investmentverträgen ist ein gesetzliches Erfordernis. Institutionelle Investoren analysieren das Risiko systematisch, haben aber keine Panik – sie verstehen, dass es sich um ein niedrigwahrscheinliches Langfrist-Risiko handelt.

Hat Bitcoin die Erwartungen übertroffen?

Vor fünf Jahren hätten viele gesagt, Banken würden Bitcoin frühestens in einem Jahrzehnt akzeptieren, Regierungen noch später. Das Gegenteil ist passiert. Bitcoin hat schneller adaptiert als erwartet. Interessant dabei: Nicht die traditionelle Finanzwelt hat Bitcoin umgeformt – sondern Bitcoin hat die Finanzwelt beeinflusst.

Die Schweizer Nationalbank hält über MicroStrategy 1 % ihres Portfolios in Bitcoin-Exposition. Auch Abu Dhabis Staatsfonds investiert. Diese Akteure kaufen Bitcoin nicht als experimentelles Asset, sondern verstehen und schätzen die Eigenschaften, die Bitcoin zu globalem, neutralem Hartgeld machen.

Wertspeicher statt Währung – unausweichlich?

Back sieht die Store-of-Value-Rolle als natürliche Konsequenz der Preisbildung: Investoren legen mehr Geld in Anlagen an als in alltägliche Zahlungen, und sie lassen es dort lange. Retail-Zahlungen mit Bitcoin haben eine hohe Geschwindigkeit – ein Bitcoin wechselt in wenigen Sekunden den Besitzer. Für die Preisbildung relevant ist aber die langfristige Nachfrage, und die kommt von Investoren.

Das macht Bitcoin nicht weniger wertvoll – im Gegenteil. Die niedrige Korrelation zu Gold und Aktienmärkten macht es als Portfolio-Baustein interessant. Langfristig hat Bitcoin Gold und den Aktienmarkt outperformed.

Adams Kernthese: Der Weg von 500.000 auf 1.000.000 Dollar ist näher, als die meisten denken. Die Kombination aus institutioneller Adoption, begrenztem Angebot und wachsendem Verständnis für Bitcoin als Wertspeicher treibt die Nachfrage in einer Weise, die der Preisbildung strukturell entgegenkommt.

Fazit

Adam Back zeigt sich überzeugt: Bitcoin entwickelt sich schneller als prognostiziert, institutionelle Akteure verstehen und schätzen die Eigenschaften, und Quantencomputing ist ein lösbares Problem – nicht ein Grund zur Panik. Wer langfristig denkt, sollte die Wachstumssignale ernst nehmen.

Quelle: Cointelegraph – „How Close Are We to $1,000,000 Bitcoin? Adam Back Weighs In"